Zum Tod von Werner Schulz

11.11.22

Werner Schulz wird fehlen. Sein plötzlicher und viel zu früher Tod macht betroffen. Mit ihm ist ein engagierter Bürger- und Menschenrechtsaktivist der DDR-Opposition, ein Akteur und unbestechlicher Zeuge der Friedlichen Revolution und ein bündnis-grüner Politiker ostdeutscher Herkunft mit gesamtdeutscher Wirkung verstorben. Vor allem aber wird er als kritischer Zeitgenosse fehlen, der nicht müde wurde, mit einprägsamen und aufklärenden Worten ostdeutsche und osteuropäische Perspektiven in die deutsche und europäische Diskussion einzubringen. Gerade in diesen Wochen und Monaten hat er immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie konstitutiv der Beitrag der Menschen aus dem ehemaligen Ostblock mit ihrer Friedlichen Revolution für die europäische Bürgergesellschaft ist. Als genauer Kenner Russlands und Freund vieler Oppositioneller dort half er bis zuletzt bei der Orientierung in der Zeit nach der Zeitenwende. Seine Erfahrungen und Einschätzungen werden fehlen.

Auch mit Leipzig und dem bündnisgrünen Kreisverband war Werner Schulz eng verbunden. Als Kontaktmann des Neuen Forums nach Sachsen nahm er an der großen Montagsdemonstration vom 9. Oktober teil. In seiner Rede zum 20. Jahrestag dieser Demonstration stellte er ihre besondere Bedeutung für die Friedliche Revolution so heraus, wie es vielleicht nur er konnte: "Von da an nahm die Zahl der Bürger in einem Land ohne Bürgerrechte unaufhörlich zu. Wurde aus der Bürgerrechtsbewegung eine Bürgerbewegung. (...) Ohne den 9. Oktober in Leipzig hätte es den 9. November in Berlin nicht gegeben und nicht den 3. Oktober 1990." Er blieb Sachsen und Leipzig aber auch weiterhin verbunden. In den neunziger Jahren zog er immer wieder über die Landesliste Sachsen in den Bundestag ein und war sowohl 1994 als auch 1998 Leipziger Direktkandidat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Außerdem trat er für den Kreisverband, dessen Mitglied er lange Zeit war, bei der Oberbürgermeisterwahl 1998 als bündnisgründer Kandidat an und errang auch dabei ein beachtliches Ergebnis. Zum dreißigjährigen Jubiliäum von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als gesamtdeutscher Partei, die 1993 auf der Alten Messe als Vereinigung vom Bündnis 90 und den Grünen gegründet wurde, wäre er im kommenden Mai sicherlich sehr gern wieder einmal nach Leipzig gekommen.

Wir möchten daher an ihn erinnern und danken Heike König, GRÜNES Mitglied aus dem KV Erzgebirge, für ihre persönlichen Worte im Namen der sächsischen GRÜNEN: 

Du warst immer zu früh. Du hast schon laut geredet, als andere noch nicht mal zu denken wagten. Du hast nicht darüber nachgedacht, was opportun ist, sondern gesagt, was gesagt werden musste. Auch, wenn es unbequem war.
In der DDR hattest Du den Mut und nach 1989 das Rückgrat vorzudenken und genau das Nötige laut zu sagen: zu Afghanistan, zu Umweltsünden und Menschenrechtsverletzungen, zum DDR-Unrechtsregime, zur zu schnellen Wiedervereinigung, zur falschen Nationalhymne, zum eigentlichen Tag der Deutschen Einheit, zu innerparteilichen Wegmarken, zu Schwarz-Grün in Sachsen, zu Schröders Trickkiste und Hartz 4, zu Putins seit 2014 dauerndem Krieg... Du hast die Auseinandersetzung nie gescheut und in Kauf genommen, dass Menschen Deine Meinung ablehnen, Dich anfeinden, konntest Gegenwind aushalten und hast Kontra klug und hellwach pariert. Das hat selbst Deinen politischen Gegnern Achtung abgenötigt.

Nun bist Du gegangen. An Deinem 9. November. Und wieder warst zu früh, Werner! Du Mensch mit politischem Weitblick, Bürger erster Klasse, Sprachgenie, Ehemann, Familienvater, Freund... Wir sind tieftraurig mit Mona, mit Deinen Kindern und Deinen Enkeln.

Danke, Werner! Danke, dass wir so bedeutende und wichtige Wegstücke in der Geschichte unseres Landes mit Dir gehen durften. Dein Freigeist fehlt jetzt schon. Deinen Lieben, uns und diesem Land. Du bleibst. In unseren Herzen und Köpfen. Versprochen!

Gerne könnt ihr eure Anteilnahme über unser Online-Kondolenzbuch zum Ausdruck bringen. Vielen Dank dafür!

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